MES Racing-Team: Zirkusreife Nummer in Most

Der 5. und 6. Lauf zum diesjährigen Hafeneger Cup fand auf der Rennstrecke in Most (Tschechien) statt. Eine reizvolle Strecke mit fahrerisch anspruchsvollen Kurvenkombinationen, auf die sich Andree freute. Einziger Wermutstropfen: Aufgrund von Terminüberschneidungen konnte das MES Racing-Team die Reise diesmal nur in Minimalbesetzung antreten. Beispielsweise betreute Oli die Mitarbeiter unseres Sponsors MES Logistik beim zeitgleich stattfindenden SEFRA-Stadtlauf. Wie viel Spaß er dabei hatte, haben wir hier ja schon im vorangegangenen Bericht in Wort und Bild dokumentiert. 

Genauso schön sollte auch das Wochenende in Most ablaufen – Sonne, gute Rundenzeiten, erfolgreiche Rennen und viel Spaß. Soweit der Plan, der auch zunächst aufging. Ohne Probleme, vollkommen unaufgeregt und unspektakulär reihte sich Andree freitags nach den ersten Runden mit seinen Zeiten unter den ersten 6 bis 10 der Zeitenliste ein. Selbstverständlich ist das nicht, denn andere kamen viel schwerer in das Wochenende hinein und stürzten. Allein in der Nachbarbox gingen direkt im ersten Turn drei komplette Motorräder zur Bruch.
So meinte Andree wohl, auch etwas Farbe ins Spiel bringen zu wollen. In einem Zweikampf waren er und sein Spielkamerad sehr spät auf der Bremse, wobei Andree unbedingt noch ein wenig später bremsen wollte. Mit dem Knie auf dem Boden, die Bremse noch richtig fest zugezogen wollte er am Kollegen vorbei. Logisch, dass sich irgendwann das Vorderrad weigerte, hier die Haftung zu behalten, und Andree den Sturz auf der Strecke nur mit Glück und Geschick zweimal verhindern konnte. Leider geht einem dabei auch schon mal schnell „der Asphalt“ aus, so dass er mit immer noch viel zu viel Geschwindigkeit unterwegs das Motorrad aufrichten und den Weg über das Kiesbett nehmen musste. Das klappte auch, jedoch stand am Ende des Kiesbetts eine „Wand“ von Airfences. Diese berührte er dann mit der Seite des Motorrades leicht, worauf sich das Motorrad einmal komplett seitlich und nach vorne überschlug. Andree wurde abgeworfen und landete komplett ausgestreckt auf dem weichen Luftsack. Das war zirkusreif und so schon mal gar nicht geplant. Aber wo war das Mopped? Er brauchte schließlich nicht weit schauen, denn auch die BMW lag genau neben ihm auf dem Airfence. Als Andree von dem Luftsack runtergestiegen, war auch langsam das Mopped wieder auf dem Boden angekommen. Die Luft war so langsam entwichen, dass sowohl Fahrer als auch Motorrad keine Schäden genommen haben. Wahnsinn! Wenn man so etwas absichtlich machen wollte, es würde nie klappen. Unser „Akrobat Schön“ sorgte damit auch bei den Kollegen in der Box für freudiges Erstaunen über so viel Glück.

Am Samstagvormittag endete dann für Andree das Qualifying mit einer Zeit von 1:42.999 min auf dem 5. Startplatz und in der zweiten Reihe – die üblichen Bekannten rings herum, so ist das in einem Cup! Leider fehlten zwei der üblichen Mitstreiter; sie hatten sich im Vorfeld bei Stürzen verletzt – an dieser Stelle nochmal gute Besserung an Uwe Stark und Matthias Herrmann!
Aber es geht hier ja ums Rennenfahren. Das erste Rennen startete am Samstagnachmittag wie immer mit Ampel an, Ampel aus und: Mist! Nicht wie sonstimmer – schlecht gestartet! In dieser Saison ist Andree ja eine Bank, wenn es darum geht, einige Plätze am Start gut zu machen. Aber dieses mal, oh weh. Er fiel auf den achten Platz zurück, von dem aus es sich nun nach vorne zu kämpfen galt. Dass das nicht so einfach werden würde, überraschte wenig, gibt ja keiner seinen Platz freiwillig auf. So wie Chris Fricke, mit dem Andree einige schöne Duelle in diesem Rennen hatte. Bisweilen überholte man sich mehrmals in einer Runde – im MotoGP-Style eben. Das war wirklich schön anzuschauen und für beide richtig spaßig. Leider litt darunter ein wenig die Rundenzeit, die mit 1:42.8 nicht auf dem erhofften Niveau lag. In der achten Runde, gerade als sich Chris Ende der Start/Ziel wieder vorbeibremste, kamen sie zu der Stelle, an der Jonas Maybaum kurz zuvor gestürzt war. Da diese Schikane eh schon eine eher gefährliche Stelle ist, war klar, dass das Rennen daraufhin abgebrochen werden würde. Mit einem Vorsprung von nur wenigen 100stel Sekunden war Andree auf Platz 5 platziert. Das war doch schon ganz ok; heile durchgekommen und in den Top 5 im Cup. Eine schöne und spaßige Sache war das!

So konnte das Rennen am Sonntag kommen. Aber erst einmal versuchte Andree am Vormittag, die Wassertemperatur der BMW ein wenig besser in den Griff zu bekommen. Leider läuft das Motorrad immer zwischen 90 und 100 °C. Das ist für einen gesunden Motorbetrieb etwas zu hoch und darunter leidet auch die Leistung.
Mit ein paar Veränderungen, die ein paar Grad weniger erhoffen ließen, ging es dann zum zweiten Rennen in die Startaufstellung, wieder auf Platz 5. Vollkommen überraschend stand trotz seines „Motorrad-Pechs“ vom ersten Rennen auch Sven Gödicke wieder vor Andree in der Startaufstellung. Dies aber nur, weil Uwe ihm „todesmutig“ sein zweites Rennmotorrad zum Fahren überlassen hatte! Wer Sven und Uwe kennt, bekommt jetzt hier ein Grinsen auf das Gesicht. Alles in allem ein schöner Zug!
Aber zurück zum Thema. Also Ampel an, Ampel aus: Und? Ein guter Start von Andree. Da die anderen aber genauso gut starten konnten lag Andree nach der ersten Runde auf P6. Hier hatte er es nun mit Jonas zu tun, mit dem er sich ein heißes Rennen lieferte. Zwar konnte Andree gefühlt schneller fahren, kam aber nicht an Jonas vorbei. 
In einem zäh geführten Match, bei Rundenzeiten von immer noch um die 1:42.3-1:42.5 und nach gefühlten 100 Überholmanövern drückte sich dann auch noch Matthias Schlensok vorbei. Und warum? Weil Andree in diesem Moment zu früh gebremst, die Linie nicht optimal getroffen und gleich ein paar Meter verloren hatte. 
Letztlich nahm sich Andree dann doch noch ein Herz und konnte Jonas endlich hinter sich lassen. Jetzt war es an der Zeit, auch wieder zu Matthias aufzuschließen. Der war nicht so weit weg und den wollte er auch noch haben. Ein paar kleine Fehler ließen das leider ebenso wenig zu wie der schon im zweiten Rennen in Gebrauch befindliche Hinterradreifen. Somit konnte Andree im zweiten Lauf den 6. Platz einfahren. Wie das so ist, ist man mit den Zeiten bzw. Platzierungen nicht ganz glücklich. Aber darüber, wie die Rennen gelaufen sind, kann Andree sich dann doch freuen. 

Ein bisschen Linienkunde und ein paar Veränderungen am Mopped sollten helfen, damit beim nächsten Event die Ergebnisse besser werden. Leider fällt der Lauf 7 und 8 auf dem Slovakiaring berufsbedingt für Andree aus. Damit wird es schwer, den 5. Gesamtrang vom letzten Jahr zu verteidigen. Es gibt eben Dinge, auf die man leider keinen Einfluss hat. 

Wir freuen uns aber jetzt schon auf die Läufe in Most Ende August, denn an diesem Event haben wir ein kleines Experiment vor. Wir können noch nicht viel verraten, aber es wird spannend …

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