Wirtschaft ist Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten

Trotz aller Krisen und aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen, bleibt die Stimmung in der Wirtschaft ungetrübt. Die Unternehmen aus der Region Offenbach freuen sich über das anhaltend positive konjunkturelle Umfeld. Der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main hat sich gegenüber Herbst 2015 kaum verändert.

IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner: „Weltweite Krisenherde, Angst vor terroristischen Anschlägen, zunehmender Rechtspopulismus in der Parteienlandschaft Europas, Diskussionen über Grenzschließungen, gesellschaftliche und innenpolitische Spannungen innerhalb Deutschlands: Das alles beeinflusst die Konjunktur in der Region Offenbach zurzeit kaum. Die Wirtschaft ist der Stabilitätsanker in turbulenten Zeiten.“

Die Exporterwartung sei sogar auf ein Fünf-Jahres-Hoch geklettert. 36 Prozent der exportierenden Unternehmen gingen von höheren Absätzen im Ausland aus. 54 Prozent bewerteten ihren Exportumsatz als gleichbleibend, nur zehn Prozent rechneten mit fallenden Erträgen. Laut Weinbrenner gibt es mehrere Faktoren, die dies begünstigen: „Viele EU-Staaten sind auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung. Die Wirtschaft der Handelspartner Großbritannien und USA wächst deutlich. Der Eurokurs und die Öl- und Energiepreise bleiben weiter niedrig. Hinzu kommen auch neue Perspektiven, wie die Erschließung von Absatzmärkten im Iran, die die exportierenden Unternehmen positiv stimmen.“

Sorge bereite die wieder abgeschwächte Investitionsbereitschaft. Das unruhige politische und gesellschaftliche Umfeld, aber auch die nervösen Finanzmärkte, könnten hierfür ausschlaggebend sein. „28 Prozent der Befragten gaben an, im Jahresverlauf mehr investieren zu wollen. 17 Prozent möchten ihr Budget verringern. Damit sind die Investitionsabsichten schwächer, bleiben in der Summe aber positiv. Von dieser Tendenz weichen nur das Bau- und das Verkehrsgewerbe sowie die Kredit-, Finanz- und Versicherungsdienstleister ab. Hier ist mit stärkeren Investitionen zu rechnen“, verdeutlichte Weinbrenner. Hauptmotive für Investitionen seien Ersatzbedarf (52,8 Prozent), Produktinnovationen (33,5 Prozent), Kapazitätserweiterungen (26,8 Prozent), Rationalisierungen (24,7 Prozent) und Umweltschutz (7,2 Prozent).

Die aktuelle Lage werde von den Unternehmen insgesamt geringfügig schlechter und die zukünftige Lage minimal besser beurteilt. Bezüglich des Exportvolumens zeigten sich die Befragten äußerst zuversichtlich. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor in guter Verfassung, so dass sich der Beschäftigungsaufbau 2016 fortsetzen sollte.  

Optimismus für 2016
Nach wie vor bestehe Optimismus über den Geschäftsverlauf in den kommenden zwölf Monaten. „88 Prozent der Befragten erwarten im Jahresverlauf gleich bleibende oder bessere Umsätze. Im Branchenvergleich sind die Industriebetriebe und der Großhandel merklich zuversichtlicher als zuletzt. Die Dienstleister schwächen ihre Einschätzung zwar ab, haben aber trotzdem eine überdurchschnittlich positive Geschäftserwartung“, so der Hauptgeschäftsführer weiter.

Arbeitsmarkt bleibt auf Wachstumskurs
Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region Offenbach sollte sich im Jahr 2016 fortsetzen. 23 Prozent der Unternehmen benötigten mehr Mitarbeiter, nur jeder zehnte Betrieb habe weniger Personalbedarf. Trotz der aktuell guten Wirtschaftslage im Verarbeitenden Gewerbe bestehe zurzeit kein zusätzlicher Personalbedarf. „Hier macht sich offenbar der Trend zur verstärkten Automatisierung bemerkbar“, interpretiert Weinbrenner. Dafür suchten die Baubranche und die unternehmensorientierten Dienstleister dringend nach geeigneten Fachkräften.

Verhaltene Stimmung im Einzelhandel
Die Einschätzung der Einzelhändler verbessere sich wieder leicht. Der IHK-Konjunkturklimaindex liege aber auf niedrigem Niveau. „Es scheint, als würde die gute Konsumlaune nicht gänzlich dem stationären Einzelhandel zuspielen. Hier entsteht durch die Konkurrenz aus dem stetig wachsenden Onlinehandel ein immer größerer Druck. Die Investitionsbereitschaft ist in der Summe negativ. Im Laufe des Jahres soll aber mehr Personal eingestellt werden“, erläuterte Weinbrenner.    

Stimmungsschub im Großhandel
Zu Beginn des Jahres zeigten sich die Großhändler in bester Laune. Die aktuelle und die zukünftige Geschäftssituation würden viel besser eingeschätzt als im vergangenen Herbst. Der Fachkräftebedarf sei auch 2016 hoch. Lediglich die Investitionen werden auf das Durchschnittsniveau der Gesamtwirtschaft korrigiert.    

Dienstleistungsgewerbe ist Beschäftigungsmotor
Die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe trübe sich leicht ein, bleibe aber auf einem vergleichsweise stabilen Level. Die derzeitige Lage und die kommenden Monate würden schlechter eingeschätzt. Weinbrenner: „Weniger Unternehmen als zuvor möchten investieren. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ist die Investitionsabsicht, ebenso wie der Personalbedarf, aber am höchsten. Die Verkehrsbetriebe und das Kredit-, Finanz- und Versicherungsgewerbe signalisieren, dass im kommenden Jahr mit mehr Investitionen gerechnet werden kann. Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen, wie beispielsweise die Informations- und Kommunikationsbranche, ist der Personalbedarf ungebrochen: 41 Prozent wollen ihre Beschäftigtenzahl erhöhen.“

 

Quelle: IHK Offenbach am Main 

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